Swidbert kam nie an den Salzbach!

Wie soll das Kind denn heißen? Vor dieser Frage stehen alle, die ein Baby erwarten. Bücher werden gewälzt, im Internet gesurft, Ranglisten geschrieben sowie Freunde und Angehörige um Rat gefragt. Sicher eine schwierige Entscheidung, denn die Geschmäcker sind verschieden!

Wie soll das Kind denn heißen? Diese Frage stellt sich auch der Pastoralverbund Welver und Scheidingen. Gewissermaßen im Zustand guter Hoffnung muss schnell eine Antwort gefunden werden, nach Möglichkeit noch vor der Geburt. Schließlich soll aus der bevorstehenden Liebesheirat von St. Bernhard und St. Peter und Paul neues Leben erwachsen. Und dieses neue Leben braucht selbstverständlich einen Namen.

Der Prozess der Namensgebung verdient eine nähere Betrachtung. Für werdende Eltern sind vor allem drei Kriterien wichtig: Der Name sollte einen schönen Klang haben, keinen Anlass zu Hänseleien geben und für jedes Lebensalter passen, heißt es in einer Studie der Universität Heidelberg.

Aber welcher Name passt zum „Kind“ des Pastoralverbundes? In diesem Fall gelten die Kriterien des Erzbischofs. Nach seinen Vorgaben sollte der Name der neuen Pfarrgemeinde die örtlichen und diözesanen Traditionen berücksichtigen und zukunftstragend sein. Suchet – und Ihr werdet finden!

Mittlerweile liegen zehn Vorschläge auf dem Tisch des Herrn. Als Namenspatrone kandidieren vier Frauen (Maria, Barbara, Elisabeth, Hildegard), fünf Männer (Swidbert, Peter, Hubertus, Meinolf, Jordan) sowie Allerheiligen. Der überraschend hohe Frauenanteil dürfte sogar den Gleichstellungsbeauftragten im Land gefallen.

Auch der Soester Anzeiger brachte die frohe Botschaft groß heraus. Nebenbei bemerkt: Die Berichterstattung im Lokalteil braucht den Vergleich mit einem drittklassigen Propagandablättchen nicht zu scheuen. Schließlich vergeht kaum ein Tag ohne Jubelmeldung aus Kirchwelver. Seit einigen Jahren werden klerikale Nachrichten am laufenden Band produziert. Eine Show jagt die nächste und die Bischöfe geben sich die Klinke in die Hand, begleitet vom medialen Trommelfeuer.

Im Jahr 2009 fiel plötzlich und unerwartet der Name Swidbert (Suitbert) wie Manna vom Himmel, und zwar genau in die Mitte des westfälischen Raums. Die Schäfchen blökten verwirrt: Swidbert? Suitbert? Nie gehört! Und fragten sich verwundert: Wie kann etwas zusammenwachsen, was nicht zusammengehört?

Der Salzbach, im Volksmund auch „Jordan“ genannt.
Der Salzbach, im Volksmund auch „Jordan“ genannt

Swidbert alias Suitbert stammte aus England und starb im Jahr 713 in Kaiserswerth bei Düsseldorf. Nach allem, was wir wissen, kam er nie an den Salzbach, im Volksmund auch „Jordan“ genannt. Dieser Schutzpatron gegen Halsschmerzen hat vielleicht im Rhein gebadet, ohne sich dabei zu erkälten. Aber selbst das ist historisch nicht belegt, sondern reine Spekulation.

Swidbert, das bedeutet der „Glänzende“. Nomen est omen! Glänzen – das wollen viele, aber wer möchte schon Swidbert heißen? Nichts gegen diesen Heiligen, der durchaus seine Verdienste gehabt haben mag – im 8. Jahrhundert. Auch wenn man nicht alles glauben muss, was die Legenden erzählen.

Aber fest steht: Für die ausgeschriebene Position als Namenspatron wäre er der falsche Mann, weil er in der Mitte Westfalens wie ein Fremdkörper wirkt. Swidberts Identifikationspotential läge nur knapp über dem Nullpunkt.

Gut, dass wir noch andere Bewerberinnen und Bewerber haben, die für diese verantwortungsvolle Aufgabe geeignet sind. Und dass wir weitere Vorschläge machen dürfen.

Wie wäre es z. B. mit „Jordan“? Eine Pfarrgemeinde nach einem Gewässer im Nahen Osten zu benennen, in dem einst Jesus getauft wurde – das hätte Charme!

der Jordan-Fluss zwischen Israel und Jordanien von David Bjorgen
Der Jordan zwischen Israel und Jordanien (David Bjorgen)

Was der große Jordan im Heiligen Land für Israel und Jordanien ist, das ist der kleine Jordan für Scheidingen und Welver. Der Jordan als Symbol des Aufbruchs und des Friedens, als wasserspendende Quelle des Lebens – das wäre ein kraftvoller Name für die neue Pfarrgemeinde.

Verdiente Kreuzritter durften ebenfalls den Namen „Jordan“ führen. Nicht umsonst bedeutet Jordan „der auf Erden Kühne“. Nomen est omen! Das Ökumenische Heiligenlexikon beschreibt gleich mehrere kühne Männer, die in friedlicher Mission unterwegs waren. Darunter den Franziskanerbruder Jordan Mai, der bis zu seinem Tod im Jahr 1922 in Dortmund gewirkt hat. Der Seligsprechungsprozess ist eingeleitet.

Oder Jordan von Sachsen, dessen Gedenktag der 13. Februar ist. Der Ordensgeneral der Dominikaner wurde um 1200 bei Osnabrück geboren. Wenn es stimmt, was das Heiligenlexikon offenbart, dann setzte er sich für maßvolle Frömmigkeit ein. Anscheinend war er überzeugt, dass zu viel Eifer eher schaden könne. Vielleicht ist das der Grund, warum er erst sechs Jahrhunderte später selig gesprochen wurde, im Jahr 1826. Seitdem wartet Jordan von Sachsen geduldig auf seine Heiligsprechung.

File:Jordan de Sajonia.jpg

Jordan von Sachsen nach einem Fresko von Fra Angelico im Kloster San Marino (Florenz)

Niemand hat die Absicht, die Amtskirche zu reformieren oder gar zu demokratisieren. Der Erzbischof sagt, wo es langgeht. Zwar dürfen die Gläubigen bei der Vorauswahl der Namen etwas mitspielen. Aber die letzte Entscheidung liegt beim Erzbischof.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Seliger wie Jordan von Sachsen, sofern er nicht im Paderborner Diözesankalender stehen sollte, kann nur mit Zustimmung des Apostolischen Stuhls zum Namenspatron gekürt werden. Wie sich der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. in diesem Sonderfall entscheiden würde, das bleibt vorerst sein Geheimnis.

6 Gedanken zu „Swidbert kam nie an den Salzbach!

  1. Hallo Martin,

    sehr lustig und geistreich geschrieben! Du sprichst nicht nur mir aus der Seele! Ich fänd auch den Hl. Nepomuk, den Brückenheiligen, sehr passend. 😉

    Liebe Grüße

  2. Hallo Martin, echt super geschrieben stimme Dir in allen zu!!!
    Nur zwei Fragen bitte.: Warum lassen wir es nicht einfach so wie es ist, was spricht gegen St.Peter und Paul? Welver liegt auf der anderen Seite von Salzbach oder?

    LG Martin Peters

  3. Grundsätzlich ist dem Kommentar bzw. der Meinung von Martin Mönnighoff nichts hinzuzufügen. Ich wäre allerdings auch mit weniger polemischen Äußerungen und mehr Sachlichkeit einverstanden gewesen. Namensvorgaben der Lächerlichkeit preiszugeben sind ebenso wenig hilfreich. Vermutlich wird es in Essen sein wie in Paderborn: „Die Chefs haben meistens das Sagen und das letzte Wort“.

  4. Hallo Martin, meine Frau Christine und ich sind ganz Deiner Meinung! Dein Artikel sollte auch in der Tageszeitung veröffentlicht werden!

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